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Warum tut ein Hund, was er tut? Diese Frage begleitet Hundetrainer vermutlich durch ihr gesamtes Berufsleben. Und die Antwort ist selten so einfach, wie sie auf den ersten Blick erscheint.
Zunächst wollen wir also mit einer einfachen Definition starten:
Verhalten bezeichnet die innerlich koordinierten Reaktionen eines Lebewesens auf innere und äußere Reize bzw. Bedingungen. Dazu gehören sowohl Handlungen als auch das Unterlassen einer Handlung. Einfach gesagt: Verhalten ist das, was ein Hund in Auseinandersetzung mit sich selbst und seiner Umwelt tut oder nicht tut.
Dabei entsteht Verhalten nicht aus einem einzelnen Faktor. Genetische Voraussetzungen, Entwicklung, körperliche Prozesse, Erfahrungen, Lernen, Umwelt und die aktuelle Situation wirken zusammen. Auch Bedürfnisse, Motivation, Emotionen und der körperliche Zustand beeinflussen, welches Verhalten ein Hund in einem bestimmten Moment zeigt. Verhalten ist damit weder ausschließlich „angeboren“ noch ausschließlich „anerzogen“.
In dieser Lektion beschäftigen wir uns deshalb zunächst damit, wie Verhalten entsteht und wodurch es beeinflusst wird. Wir schauen uns die Entwicklung vom jungen bis zum alten Hund an, betrachten individuelle und rassebezogene Unterschiede und beschäftigen uns mit Motivation, Bedürfnissen und wichtigen Funktionskreisen des Verhaltens. Auch Themen wie Jagd- und Aggressionsverhalten, Sozialverhalten und die Bedeutung von Umwelt und Erfahrungen werden dabei eine Rolle spielen.
Für angehende Hundetrainer ist dabei eine Fähigkeit besonders wichtig: beobachten, bevor wir interpretieren.Ein Hund, der knurrt, ist zunächst ein Hund, der knurrt. Warum er knurrt, welche Funktion dieses Verhalten in der konkreten Situation hat und welche Konsequenzen sich daraus für das Training ergeben, muss erst herausgefunden werden.
Genau darum geht es in dieser Lektion: Verhalten nicht vorschnell zu bewerten oder mit einfachen Etiketten zu versehen, sondern es systematisch zu beobachten, biologisch einzuordnen und im jeweiligen Kontext zu verstehen. Denn erst wenn wir verstehen, was wir vor uns sehen und welche Faktoren daran beteiligt sein können, können wir sinnvolle Trainingsentscheidungen treffen. Für deine spätere Arbeit als Hundetrainer gilt daher:
Nicht nur fragen: „Wie bekomme ich dieses Verhalten weg?“
Sondern zuerst: „Was sehe ich eigentlich – und warum könnte dieser Hund dieses Verhalten in dieser Situation zeigen?“

