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Was bedeutet das für dich als Hundetrainer?
Die Evolutions- und Domestikationsgeschichte des Hundes ist kein Wissen, das wir nur benötigen, um seine Vergangenheit zu verstehen. Sie beeinflusst auch, wie wir heutiges Hundeverhalten betrachten und, um falsche Aussagen und Vergleiche zu identifizieren.
Hunde bringen aufgrund ihrer Abstammung, ihrer individuellen genetischen Ausstattung und der Selektionsgeschichte ihrer Population unterschiedliche körperliche und verhaltensbezogene Voraussetzungen mit. Gleichzeitig ist kein Hund allein durch seine Abstammung oder Genetik vollständig erklärt. Entwicklung, Sozialisation, Erfahrungen, Lernprozesse, Haltung, Gesundheit, Umwelt und die aktuelle Situation wirken mit.
Für die praktische Arbeit bedeutet das: Wir erklären Verhalten weder ausschließlich mit „dem Wolf“ noch ausschließlich mit der Rasse, den Genen oder der Erziehung. Wir betrachten den einzelnen Hund und fragen, welche Faktoren zu seinem aktuellen Verhalten beigetragen haben könnten.
Auch Begriffe wie „typisch Wolf“, „Dominanz“, „Jagdtrieb“, „Hütehund“ oder „genetisch bedingt“ dürfen deshalb später nicht als einfache Erklärungen verwendet werden. Sie müssen fachlich definiert und am individuellen Hund überprüft werden.
Genau hier setzt die weitere Ausbildung an: Wir werden uns noch damit beschäftigen, wie Verhalten entsteht, wie Hunde kommunizieren, wie sich Verhalten entwickelt und verändert, welche Rolle Genetik, Rasse und Gesundheit spielen und wie Lernen funktioniert.
Kynologie liefert uns damit nicht die eine Erklärung für einen Hund – sondern das Fundament, auf dem wir beginnen, die richtigen Fragen zu stellen.
